March of the Living 2018

 

Jedes Jahr am Jom haSchoa begeben sich über 10‘000 Menschen jeden Alters aus der ganzen Welt auf den drei Kilometer langen Marsch von Auschwitz nach Birkenau, um den Opfern des zweiten Weltkrieges zu gedenken.

 

Die ICZ bot dieses Jahr zum zweiten Mal den „March of the Living“ in Polen an, der von Mittwoch, 11. bis Sonntag, 15.04.2018 dauerte und auf vielseitigen Wunsch der ganzen Gemeinde offen stand. Da wir es als ICZ-Auftrag sehen, in die Bildung junger jüdischer Menschen zu investieren, wurde die Gruppe junger Erwachsener (18-25 Jahre) finanziell von der Jugendkommission unterstützt und bei der Anmeldung bevorzugt.

 

Um einen Eindruck der Erlebnisse zu bekommen, empfehlen wir Ihnen, den Reisebericht weiter unten, den Blog der TeilnehmerInnen vom letzten Jahr und die Medienberichte.

 

Medienberichte zur ICZ-Reise

Schweizer marschierten erstmals am «Marsch der Lebenden» mit

Marsch der Lebenden – SRF Tagesschau vom 24.04.2017, 19:30 Uhr

 


 

Bericht zur Polenreise 2018 von Dalia Teplitz

 

Eine Reise in die Vergangenheit für unsere Zukunft (11.-15.04.2018)

 

Zum 30. Mal fand am Jom haSchoa, dem jüdischen Gedenktag für die Opfer des Holocaust der internationale «March of the Living» (MOTL) statt. Über 12’000 Menschen aus 42 Ländern marschierten vom Stammlager Auschwitz I ins Vernichtungslager Auschwitz II-Birkenau, in Erinnerung und zu Ehren der sechs Millionen ermordeten Juden und weiterer Opfer der Nazis. Oder wie man im Jiskor-Gebet sagt: „All jene die getötet, hingeschlachtet, verbrannt, ertränkt oder erwürgt wurden zur Heiligung des g-ttlichen Namens.“

 

Wie schon letztes Jahr, war auch dieses Mal eine Schweizer Delegation am Marsch dabei und erlebte während der Reise durch Polen fünf emotionale, eindrückliche und lehrreiche Tage unter der professionellen Leitung von Awi Blumenfeld. Er ist selbst Sohn von Holocaust-Überlebenden, renommierter Historiker und Dozent an verschiedenen Institutionen in Israel und Deutschland. Ausserdem ist er im Bereich der jüdischen Jugend- und Erwachsenenbildung tätig. Sein grosses Wissen über die Schoa, aber auch das Leben der Juden in Polen damals und heute, sein jüdisches Herz und Einfühlungsvermögen, seine Geschichten und sein Humor begleiteten uns in einer Intensität, die wir nie mehr vergessen werden!

 

Am ersten Reisetag besuchten wir die Kleinstadt Oświęcim/Oshpizin (dt. Auschwitz) mit dem jüdischen Museum, der teilweise erhaltenen Synagoge und dem jüdischen Friedhof. Anschliessend besuchten wir das KZ Auschwitz I. Dieser Ort des Schreckens, mit Stacheldraht soweit das Auge reicht, den vielen Steinbaracken, der Gaskammer und dem Krematorium waren unbeschreiblich schwere Momente. Ein Ort des Todes und der Trauer, der sich dann am nächsten Tag, dank der Anwesenheit von tausenden MOTL-Teilnehmenden, in einen Ort des Lebens verwandelte. Die vielen Flaggen in allen Farben der Welt und speziell die Israel-Fahnen unmittelbar vor dem 70. Jubiläum der Staatsgründung, zum Teil überdimensional gross im sanften Wind flatternd, sowie der gegenseitige Austausch unter den Teilnehmern aller Länder, liess diesen tristen Ort für einen kurzen Moment wieder aufleben. Während dem einstündigen Marsch war die Stimmung fröhlich und locker, das Gefühl der Gemeinschaft war stark zu spüren.

 

Erst als wir nach zirka drei Kilometern das Tor von Birkenau durchschritten, konnte man die grosse Menschenmenge erkennen, die vor und hinter uns marschierte. Die Zuggeleise der berühmten „Rampe“ führten bis zur Gedenkstätte, wo für die Zeremonie eine riesige Bühne aufgebaut war. Tausende von Stühlen standen bereit, um dem eindrücklichen Gedenkanlass beizuwohnen. Es folgten unter anderem eindrückliche Reden der Staatspräsidenten von Israel und Polen. Aber auch ein paar Lieder von Shlomo Artzi fanden Platz. Der Anlass endete mit dem gemeinsamen Kaddisch und der Hatikwa: „Od lo awda tikwatejnu“ – „Solange ist unsere Hoffnung nicht verloren“ Wir sind hier! wir leben! Und wir werden nie vergessen!

 

Einer der bewegendsten Momente war, als die Menschenmasse Birkenau wieder verliess. Im Vergleich zu damals, als der Weg in den Gaskammern endete, führte diesmal der Weg hinaus in die Freiheit!

 

Am Freitag und Sonntag besuchten wir viele Synagogen, das jüdische Viertel, die Altstadt und das ehemalige Ghetto von Krakau. Der alte jüdische Friedhof steht neben der wunderschönen Remo-Synagoge, mit der Aussenmauer voller gefundenen Grabsteinteilen, die wie ein Mosaik eingemauert wurden. Eindrücklich war auch das Museum in der «Fabryka Schindlera», das sehr kunstvoll, einfallsreich und berührend seine eigene Geschichte dargestellt. Wir sahen viele Sehenswürdigkeiten der Stadt Krakau, so auch die Universität und die Spaziermeile entlang der Weichsel, den grossen Platz mit der berühmten Marienkirche und den Markthallen. Dies alles hinterliess bei uns sehr positive Eindrücke dieser pulsierenden und gepflegten Stadt.

 

Ein grosses Erlebnis war auch der Schabbat in Krakau. In der bis auf den letzten Stehplatz gefüllten Izaaka-Synagoge aus dem 17. Jahrhundert hörten wir wunderschöne Gebete, gesungen von IDF-Chasan Shai Abramson zusammen mit dem Chor von jungen Soldaten. Klatschend, tanzend und singend durften wir an diesem Moment teilhaben. Man spürte die Lebensfreude und tiefe Dankbarkeit der Teilnehmer nach all den Erlebnissen der letzten Tage.

 

Grosser Dank gebührt Awi Blumenfeld für die Reiseleitung, Dani Neubauer und Nadine Stupp von der ICZ Jugendkommission für die Initiative, die Organisation und die finanzielle Untersetzung sowie als Vertreter des Vorstandes Michael Fichmann, der uns während der gesamten Reise rührend betreute und umsorgte.

 

„Beschuw Haschem et schiwat zijon hajinu kecholmim. As jimale sechok pinu, ulschonejnu  rina“ / „Wenn der Ewige die Weggeführten zurückbringt, werden wir wie Träumende sein. Lachen wird unseren Mund erfüllen und Jubel unsere Zunge.“

 

 


 

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